Klappern gehört zum Geschäft:

Aus der ZEITUNG VUM LETZEBUERGER VOLLEK
von Jean-Marie Jacoby

Erziehungsminister lobte sich hinterm Gitterzaun

Wo sich sonst nur ängstlich Premier und Außenminister hinter Gittern vor Volk, Touristen und den von ihnen von Anfang an mit den falschen Freunden Syriens geförderten Anti-Assad-Terroristen abschirmen, erzählte gestern morgen Erziehungsminister Meisch der dorthin bestellten Presse, wie toll er mit der Umsetzung des Regierungsprogramms »im breiten Dialog« nach 12 Monaten »offener Tür« im Mini­sterium vorankomme.

Bis Herbst seien 43 von 48 Gesetzen und Reglementen entweder in Kraft oder auf dem Instanzenweg, von 94 Projekten wären zu Schulbeginn deren 45 verwirklicht, 44 weitere ein Jahr später und vier zwei Jahre später. Ob das aber positiv oder negativ ist, wird sich erst zeigen. Etliches, wie der neu eingeführte Stage in der Grundschule, ist eindeutig nur ein Sparprogramm, das in weniger Lohn für drei Jahre besteht. Anderes wie sein »Vie et Société« bleibt ein Streitthema querbeet.

Wobei das Ding vom »breiten Dialog« so seine Haken hat, wenn da am Ende Meisch sich damit zufrieden gibt, eine Einigung mit einer einzigen Gewerkschaft zu haben, und die dann umzusetzen: da ist Unzufriedenheit, wenn nicht gar innere Kündigung und Blockadehaltung statt Ruhe bei der Unsetzung vorprogrammiert.

Zu wenig, zu spät

Lustig ist dann, daß einer der großen Erfolge im Einstellen von 150 Master-Posten in der Grundschule gefeiert wird zur Entlastung der Klassentitulare bei Kindern »mit spezifischen Bedürfnissen«, wo doch in der Chamber gesagt worden war, es werde 2023 bis die alle eingestellt seien, und noch völlig unklar ist, was der oder die Arme aus der Klasse tun muß, damit so wer unterstützend auf ein paar Stunden vorbeischaut. Es wäre leicht möglich, daß da ein weiterer Wasserkopf mehr Bürokratie als Hilfe bringt.

Ob die neue Prozedur zur Orientierung nach der Grundschule etwas Positives ist, darf ebenfalls in Zweifel gezogen werden. Das hat die Koalition in der Chamber gegen alle von der Opposition durchgezogen, und Meisch antwortete denn auch ausweichend auf die Frage, ob es ihm egal sei, wenn immer weniger in den klassischen Zweig orientiert werden.

Da lag etwa vor sechs Jahren die hauptstädtische BOVER-Primärschule noch über dem nationalen Durchschnitt bei den klassisch Orientierten – mit vier Stützpo­sten. Jetzt aber, nach dem vielen Sparen des Erziehungsministeriums, liegt sie dabei weit zurück – mit keinem Stützposten letztes Jahr. Weil es nächstes Jahr im 4. Zyklus zwei große statt vier kleiner Klassen gibt, wird es wieder einen Stützposten geben – viel besser ist das aber nicht, sondern vor allem überall zu wenig.

So viel zur Einschätzung der Aussage von Claude Meisch, er werde drauf schauen, daß die nötigen Mittel vorhanden sind. Sie sind es einfach nicht!

Digitale Strategie?

Das, was da läuft ist meilenweit entfernt von einer selbständigen Linux-Strategie – in Europa (und nicht nur in der EU) baut die lokale mittelständische Computerwelt auf Linux auf – und läßt sich auf Kundenaquise für die beiden USA-Größen eingrenzen. Da hinein paßt die Ankündigung, im Zyklus 4 der Grundschule werde »MathemaTIC am iPad generalisiert« – das ist bekanntlich der Markenname einer Tabletcomputerreihe der USA-Firma Apple. Da hinein paßt auch die tolle Errungenschaft von »Office 365 for Education«, mit der 12.000 Lehrkräfte aus Grund- und Sekundarschule, 45.000 Sekundarschüler und 5.000 Verwaltungsbedienstete das »Recht« erhielten, die letzte Version von Microsoft Office Pro Plus auf 5 PC oder Mac und fünf Tabletcomputer oder Smarthphones in der Schule oder zu Hause zu installieren. Der Kotau vor Microsoft war völlig überflüssig, könnten doch alle diese Leute wie der ganze Rest des Landes Open oder LibreOffice auf unbegrenzt vielen Geräten kostenlos installieren – und das lustigerweise nicht nur unter Linux!

Zu hoffen ist, daß das für Herbst angekündigte »Digital Leadership« in drei Lyzeen (LAML, AL, LMRL) keinen Bogen um OpenSource und Linux macht, sonst ist das auch keine digitale Zukunfts-Strategie.

Ungelegte Eier

Allzu vieles, was Meisch zum Erfolg verklärt, hat noch gar keine Früchte gezeitigt. So etwa das Zentrum für politische Bildung, das seine Arbeit erst im Herbst beginnt, oder das Kompetenzzentrum für Didaktik an der Uni Luxemburg, für dessen Gründung die ersten Schritte stattgefunden haben. Bevor es da zu bewertende Früchte gibt, wird Meisch wohl nicht mehr Minister sein.

Dann wird auch erst zu sehen sein, ob der Rahmentext, der im Ministerium geschrieben wurde für die Diskussion um eine Annäherung von Schule und Betreuungseinrichtungen Folgen zeitigt. Im Augenblick ist da nichts zu sehen, und niemand hat einen Einfluß darauf, wenn nach einer Neuausschreibung der Küchendienste die Qualität des Essens so weit sinkt, daß die Kinder ihre Eltern anbetteln, ihnen das doch nächstes Jahr nicht mehr anzutun. Das sind konkrete Probleme, die viele in eine Notlage bringt: da müssen Auswege her. Fragt sich, ob die jemand im Mini­sterium überhaupt zu sehen bereit ist! So ist zu vermuten, daß das kein Thema sein wird, bei der Serie von Kolloquien und Manifestationen, die im Schuljahr 2016/17 den Austausch zwischen den berufsmäßig in beiden Strukturen Tätigen fördern sollen!

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