Nach der Ministerin, jetzt auch noch unser „Premier“

von Paolo Almeida

Nachdem wir von einer Parksünderin im Boulevard de la Fraternité berichtet hatten und einen doch recht heftigen „Shitstorm“ gegen meine Person ausgelöst hatten, haben sich auch „andere“ Stimmen zu Wort gemeldet. In der Tat haben Bewohner des besagten Viertels im „Ban de Bonnevoie“ uns angeschrieben und auf besondere „Umstände“ hingewiesen.

Den uns zugetragenen Informationen nach, habe man die „Agents Municipaux“ in besagter Umgegend abgezogen. Dies bedeutet dass der hier ruhende Verkehr nicht mehr überwacht wird. Den gleichen Informationen folgend, sei auch ein weiteres Fahrzeug, diesmal in der rue Félix de Blochhausen, mit Bußgeldbescheiden am Wischerblatt gesichtet worden sein.

Noch bevor wir unsere Recherche aufnehmen konnten, berichtete die Zeitung vum Lëtzebuerg Vollek in der Freitagsausgabe von diesem „Fall“, wenngleich auch nur sehr kurz. Wir begaben uns somit flugs nach Luxemburg um uns sowohl umzusehen als auch umzuhören.

Des Premierministers kleiner Flitzer

Die „rue Félix de Blochhausen“ ist schnell durchlaufen und vor der Garageneinfahrt unseres Premierministers Xavier Bëttel steht in der Tat das in der Zeitung und den erhaltenen e-Mails genannte Fahrzeug. Die Parkvignette ist seit Juli ungültig und folgerichtig wurden am 1. und 4.August je ein „avertissement taxé“ ausgestellt und hinter dem Scheibenwischer angebracht. (siehe Foto)

Premierminister Xavier Bëttel verbringt zur Zeit seinen verdieneten Urlaub in Florida. Da der kleine italienische Flitzer nicht in der Garage untergestellt werden kann steht dieser vor der Garageneinfahrt. Wegen fehlender/gültiger Vignette mußten Bußgeldbescheide ausgestellt werden. Aktuell werden in der Bongeschgewaan keine Kontrollen mehr durchgeführt. Anwohner vermuten dass es hinsichtlich unserer Berichterstattung eine "Anweisung" gegeben hat.
Premierminister Xavier Bëttel verbringt zur Zeit seinen verdienten Urlaub in Florida. Da der kleine italienische Flitzer nicht in der Garage untergestellt werden kann steht dieser vor der Garageneinfahrt. Wegen fehlender/gültiger Vignette mußten Bußgeldbescheide ausgestellt werden. Aktuell werden in der Bongeschgewaan keine Kontrollen mehr durchgeführt. Anwohner vermuten dass es hinsichtlich unserer Berichterstattung eine “Anweisung” gegeben hat.

Im vorliegenden Fall wollen wir allerdings glauben dass der Fahrzeughalter (es kann durchaus auch der Lebenspartner sein) die neue Vignette noch nicht erhalten hatte und der Abflug in den verdienten Urlaub ein „Anbringen“ verhindert hat. Dennoch sind die Bewohner der in den Boulevard de la Fraternité mündenden Strasse verstimmt.

Wo ist der „Peschert“?

Abgesehen von den erhaltenen e-Mails haben uns auch jene Personen die wir antreffen konnten und unseren Fragen geantwortet haben bestätigt, dass seit dem 8.August kein Agent Municipal mehr gesichtet wurde. Dieses sei insbesondere deshalb ärgerlich, teilte man uns mit, weil sollte dieser Umstand bekannt werden, das betroffene Wohnviertel schnell zum „Gratisparkplatz“ mit all seinen Unannehmlichkeiten werden könnte.

Nun wollen wir gerne glauben dass unser Bericht, der keineswegs eine Hexenjagt auf Mitglieder der Regierung und erst recht nicht der DP (Demokratesch Partei) ist, einige Granden sehr verärgert hat. Dermassen dass uns gar mit rechtlichen Schritten gedroht wird. So ist auch dieser „Folgeartikel“ keine gezielte Attacke gegen besagte Personen. Es ist schlicht eine Frage der Glaubwürdigkeit und auch journalistische Pflicht, Hinweisen aus der Bevölkerung nachzugehen.

Auch möchten wir mit Nachdruck darauf hinweisen dass auch uns verständlich ist, dass im August viele Agents Municipaux gleichfalls den verdienten Urlaub genießen und die verbleibenden vorrangig in den „Brennpunkten“ eingesetzt werden müssen. Man kommt aber nicht umhin sich der Verwunderung der Anwohner des betroffenen Viertels anzuschliessen dass nach der Veröffentlichung unseres Beitrags und der Übernahme von diesem in „Lëtzebuerg Privat“ kein „Peschert“ mehr in der „Bongeschgewaan“ gesehen wurde.

Von Verantwortung und Verdruss

Von jedem Bürger wird seitens der Politik verantwortliches handeln gefordert und erwartet. Es ist also nur rechtens dass seitens der Bürger gleiches von den Politikern gewünscht wird. Auch steht ausser Frage dass die „Knöllchen“ bestenfalls ein geringfügiges Vergehen darstellen und kein Skandal. Richtig ist aber auch die Feststellung dass diese Politiker in der öffentlichen Wahrnehmung, schon ihres Amtes wegen, sich vorbildlich zu benehmen haben.

Es ist seit Jahren ersichtlich dass sich das Wahlvolk zusehends vom politischen Geschehen abwendet. Viele Entscheidungen des Parlaments werden nicht ausreichend erklärt, weshalb viele Bürger sich von der „großen“ Politik abgehängt fühlen. Solche „Details“ wie ein Bußgeld wegen Parkvergehen aber, werden sowohl als „Unart“ als auch „ausnutzen seiner Position“ gewertet und richten schweren politischen Schaden an.

Die politische Beteiligung wird auch mit eben solchen „Details“ in Frage gestellt. Es ist mithin auch unsinnig zu glauben dass der „politische Gegner“ aus unserem Artikel ein Vorteil habe. Vielmehr stellt solches benehmen alle in politischer Verantwortung stehenden unter Generalverdacht. So wird schnell und übereilt gemutmaßt dass wer ein politisches Amt anstrebt, dieses nur tut um einen Vorteil zu erlangen. Wir wollen und müssen deshalb zur Verantwortung ermahnen.

Randnotiz:

Der Begriff Minister kommt aus dem Lateinischen (ministrare “dienen”) und bedeutet Diener. Es ist also wichtig dass sich die Politiker besinnen dem Volk zu dienen und nicht sich dessen zu bedienen.

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