Zu wenig, zu spät, zu langsam:

Aus der ZEITUNG VUM LETZEBUERGER VOLLEK
von Jean-Marie Jacoby

»Förderung« der sanften Mobilität

Schon als das Konzept zur Förderung der »sanften Mobilität«, also des Fahrrads und der Fußgänger, in der Pfaffenthaler Jugendherberge unter Nachhaltigkeitsminister Wiseler vorgestellt wurde, erklärten wir, das sei wohl alles sehr schön, komme aber zu spät und setze viel zu niedrige Ziele – und nicht einmal da sei klar, wie sie erreicht werden sollen. Denn gute Worte allein sind zu wenig. Eine Autofahrernation kriegt man nicht so schnell umgepolt mit dem Hinweis, mehr körperliche Bewegung sei gesünder, so richtig das auch ist.

Damals hielt Innsbruck – eine mit Luxemburg in der Größenordnung weit vergleichbarere Stadt als das seit einiger Zeit in Politikerreden beliebte Kopenhagen – bei 18% aller Wege übers Jahr gerechnet, die mit dem Fahrrad erledigt wurden. Heute sind daraus 25% geworden. In Luxemburg reduziert sich die Steigerung eher auf die Strecke von 1,8 auf 2,5%. Dumm gelaufen? Wohl schon, aber den Erfolg einer Planung gibt es nur zu ernten, wenn auch die nötigen Mittel dafür eingesetzt werden. Daran fehlt es in Luxemburg eindeutig. Bei jeder Baustelle werden Fußgänger immer noch kreuz und quer durch den Verkehr gejagt. Umleitung besteht für sie im Überwechseln auf die andere Straßenseite.

Zwar gibt es inzwischen am Hauptbahnhof ganze zwei »M-Boxen« für jeweils zwei Dutzend Fahrräder und noch einmal zwei Dutzend Abstellplätze unter freiem Himmel. Auch an anderen Bahnhöfen gibt es ein paar dieser Boxen und Stellplätze, die noch nicht einmal voll belegt sind. Während dessen stehen am Innsbrucker Hauptbahnhof so beiläufig 5.000 Fahrräder herum (einige liegen auch, weil sie beim Rausnehmen eines der Vehikel umgefallen sind), und es werden ständig zusätzliche Stellplätze geschaffen.

Dafür aber gibt es eines in Innsbruck nicht, das in Luxemburg verdammt häufig ist: ausgeschilderte Fahrradwege auf Bürgersteigen. Da dürfen sich dann Fußgänger mit Radfahrern herumstreiten, und der Autoverkehr lacht sich ins Fäustchen. Das umso mehr, als das legale Fahren auf immer mehr Bürgersteigen dazu führt, daß das auch dort geschieht, wo es nicht anbefohlen wird und also eigentlich verboten ist.

Das aber ist das genaue Gegenteil der Förderung der sanften Mobilität. Fußgänger fühlen sich zunehmend verunsichert, ohne daß dadurch Radfahren angenehm würde. Ganz besonders schlecht dran sind Eltern mit kleineren Kindern oder mit Kinderwägen, die daraus eher den Schluß ziehen, besser dran zu sein mit dem Auto, wonach nur noch ein paar Schritte unter Gefährdung durch Fahrräder nötig sind.

Wobei das Problem nicht kleiner, sondern größer wird, wenn vermehrt Pedelecs auftauchen, die viel schneller beschleunigen als jene, die mit reiner Muskelkraft wirklich etwas für ihre Gesundheit tun. Zum Glück ist es nicht so, wie unlängst die grüne Verkehrsschöffin und Staatsrätin Tanson behauptete, daß in jedem fünften Hauptstadthaushalt ein Pedelec sei – es ist vielleicht in jedem fünften Politikerhaushalt so. Aber wir sind total auf dem falschen Weg! Fahrradwege sollten auf Straßenniveau angelegt sein – und wenn das nicht geht, ist es besser es gibt keine. Ideal wäre auch, wenn alle Busspuren offen wären für Fahrräder – damit gelang vor dreißig Jahren Innsbruck ein großer Sprung nach vorne in der Fahrradnutzung.

Allerdings bringt das alles in Luxemburg keine wirkliche Verkehrsentlastung, wenn es nicht gelingt, die fortwährende Zunahme von Arbeitsplätzen in der Hauptstadt zu stoppen. Es bleibt also das Problem unlösbar mit dem Irrglauben, der freie Markt regle alles, dem sämtliche Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei leider anhängen.

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