Einigen wir uns auf Landesplanung?

aus der Zeitung vom Lëtzebuerger Vollék
von Jean-Marie Jacoby

Lieber rein ins Chaos oder lieber raus?

In der Vorwoche haben wir erläutert, warum das Luxemburger Land ohne Landesplanung im Chaos endigt. Den Ernst der Lage haben in den Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei allerdings erst die wenigsten begriffen: sie brauchen daher dringend Nachhilfe.

Da wir unter den gegebenen Verhältnissen des real existierenden Kapitalismus und den Vorschriften der EU keinen Betrieb davon abhalten können, sich in Luxemburg niederzulassen mit Arbeitsplätzen, die unseren Arbeitslosen nicht weiterhelfen, und die daher von Grenzgängern besetzt werden, werden wir dazu übergehen müssen, diese Betriebe zu zwingen, sich nahe der Grenzen niederzulassen, aber auf keinen Fall im Zentrum, wo schon viel zu viele Arbeitsplätze im Verhältnis zur Wohnbevölkerung sind. Und zwar vorzugsweise dort, wo leistungsfähige Straßen und Schienen ins Land kommen, also auch nicht in der »Nordstad«. Wobei an die nach all den Jahren, wo nichts weiterging, außer einigen Berufslokalpolitikern niemand mehr glaubt.

Keinen Verkehr mehr hinzu machen!

Grenznahe Ansiedlung neuer Betriebe ist die Grundvoraussetzung für alles andere: ohne dem ist nur eine Verschlechterung des bereits herrschenden Verkehrschaos möglich. Wobei nicht nur die Mittel, sondern auch der Platz für eine Lösung fehlen, wird das nicht durchgesetzt. Es ist auch nicht möglich, dem mit einem verstärkten Wachstum der Einwohnerzahl im Land zu begegnen, denn: um die aktuell 416.173 Arbeitsplätze im Land (davon 390.804 lohnabhängige) allein aus der Wohnbevölkerung zu besetzen, bräuchte es heute schon 1.040.433 Einwohner!

Kommt es dazu, haben wir zwar immer noch das Problem, wie wir diejenigen in Arbeit kriegen, die aktuell am »Arbeitsmarkt« nicht unterzubringen sind. Die KPL hat dazu in Richtung Gemüse- und Obstproduktion sowie Forstwirtschaft vielfältige Vorschläge beharrlich vorgetragen, die in Esch/Alzette und Differdingen teilweise umgesetzt wurden, aber generalisiert werden müssen. Das ist eine Aufgabe für die öffentliche Hand, weil es dem »freien Markt« nicht genug Profit abwirft!

Erst wenn zusätzliche Arbeitsplätze nicht mehr ins Landesinnere kommen, kann dort erfolgreich an einer Verbesserung der Verkehrslage gearbeitet werden: mit mehr und besseren Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr (was ohne den direkten Eisenbahntunnel unter der Hauptstadt hindurch, wie auf www.busbunn.net ersichtlich, nicht gehen wird, aber bis dazu die Bereitschaft da ist, müssen erst noch die in die Hauptstadttram gesetzten Hoffnungen platzen) und mit mehr sanfter Mobilität.

Hier stehen auf einem der vielen Rad-Abstellplätze am Hauptbahnhof Innsbruck mehr als zehnmal so viele Fahrräder, wie am Hauptbahnhof Luxemburg, wo der Platz dafür erst bereitzustellen ist!
Hier stehen auf einem der vielen Rad-Abstellplätze am Hauptbahnhof Innsbruck mehr als zehnmal so viele Fahrräder, wie am Hauptbahnhof Luxemburg, wo der Platz dafür erst bereitzustellen ist!

Wobei das Ziel von 25% Wege, die mit Fahrrad und zu Fuß erledigt werden, wie es 2008 im sogenannten »Nationalen Aktionsplan zur sanften Mobilität« für 2020 proklamiert wurde, viel zu niedrig gegriffen ist: 40% sind nämlich mindestens nötig. Klar, daß es bis dahin noch ein weiter Weg ist, aber wenn das in Innsbruck heute schon Wirklichkeit ist, muß das auch in Luxemburg erreichbar sein.

Mit solchen Mini-Abstellplätzen – und das auch noch beschränkt auf 24 Stunden – ist nicht viel sanfte Mobilität zu machen!
Mit solchen Mini-Abstellplätzen – und das auch noch beschränkt auf 24 Stunden – ist nicht viel sanfte Mobilität zu machen!

Begleitend dazu wird es dann hilfreich sein überall dort die Zahl der Einwohner zu erhöhen, wo heute das Mißverhältnis zwischen ihr und jener der Arbeitsplätze am größten ist. Wie schon öfters dargelegt, braucht es 2,5 Einwohner, um einen Arbeitsplatz zu besetzen – in und um die Hauptstadt gibt es mehr Arbeitsplätze als Einwohner, woraus der viele Verkehr entsteht.

Wobei wir mit Sicherheit eines nicht mehr erreichen werden: daß Leute aus Mersch in die Hauptstadt täglich zu Fuß zur Arbeit kommen. Das gab’s tatsächlich noch vor dem Zweiten Weltkrieg, aber dahin führt kein Weg zurück. Daß eine solche Distanz mit dem Fahrrad zurückgelegt wird, ist aber schon möglich, wenn zwar wohl nicht exakt da, wo das nur eine Viertelstunde mit dem Zug kostet. Aber anderswo kann das durchaus schneller gehen als mit Bus oder Auto! Dafür braucht es aber ganz sicher mindestens eine schnelle Umsetzung der Verbindungswege, die im Nationalen Radwegplan versprochen wurden – also kurz- und nicht mittel- und langfristig irgendwann.

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