Mehr sanfte Mobilität, schön und gut, aber:

aus der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollék
von Jean-Marie Jacoby

Das wird nur was mit einem großen Befreiungsschlag

Es wird keinen Sprung geben bei der Zahl Wege, die zu Fuß und mit dem Fahrrad – die berühmte sanfte Mobilität – erledigt werden, wenn’s mit dem »Klein-Klein« weitergeht: hier ein klein wenig mehr Radweg, da die Öffnung eines Fußweges, der Umwege erspart. Es braucht für wirkliche Ergebnisse etwas, das unübersehbar vieles besser und leichter macht.

Der nötige große Befreiungsschlag ist nun mal nicht machbar mit einer Umsetzung der Radwegverbindungen von Ort zu Ort und von (vielfach leider nur touristischer) Fahrradroute zur nächsten. Diese wurden seinerzeit auch nicht als direkte Verbindungen angelegt, sondern es wurde nach landschaftlicher Schönheit, Aussichtspunkten und Ähnlichem geschaut. Umwege sind da einstweilen nicht die Ausnahme, sondern die Regel: das macht’s aber für den Alltag unattraktiv. Würde das großflächig innerhalb eines Jahres ausgebessert, wäre das etwas, das als Befreiungsschlag durchgehen kann.

Kommt es dazu, könnte das Fahrrad durchaus eine Alternative sein bei Wegen bis zu 20 km, wo es heute praktisch nur mit dem Auto geht, da mit Bus und Zug unmögliche Unwege einen Haufen Zeit kosten. Ein Beispiel: versuchen Sie doch mal von Leudelingen in die Aktivitätszone Krakelshaff hinter Bettemburg zu kommen. Auf direktem Weg ist das wirklich keine Weltreise, mit Öffis geht’s aber nur über die Hauptstadt – und Bus fährt in diese Aktivitätszone gar keiner: letzter Halt Märchenpark! Es wäre natürlich möglich, eine Bedarfshaltestelle zumindest direkt an der Zufahrt einzurichten, aber das ist für unser Beispiel auch nicht die Lösung. Und es findet sich sicher wer, um zu erklären, da gäbe es keinen Bedarf, weil dahin eh alle mit dem Auto kommen. Klar doch, wenn’s anders gar nicht geht! Genau wegen solcher Denkverbote wird anderes Verhalten in Sachen Mobilität im Keim erstickt.

Ein durchgehender Fahrradweg, der kein Fahren auf der Landstraße nötig macht (das ist außerorts ganz besonders im Dunkeln nicht ungefährlich, so lange derart wenig Fahrräder auf Landstraßen unterwegs sind und Autofahrer daher auch nicht mit ihrem Auftauchen rechnen) gibt es heute keinen.

Es gibt noch viele vergleichbare Beispiele – schauen Sie sich einfach mal in ihrer direkten Umgebung um, sie fallen sofort auf. Das Fahrradfahren könnte da über Land wirklich attraktiv werden – aber es braucht dafür zuerst die Infrastruktur. Andersrum funktioniert das nur für die wirklich Überzeugten, die an einer Hand abgezählt werden können.

Auf Massentauglichkeit achten!

Wobei: das was gemacht wird, muß auch noch funktionieren, wenn mehr als ein paar einzelne das Angebot nutzen. Es ist schon viel zu viel an viel zu vielen Orten als Radweg ausgewiesen worden, was nur funktiioniert, so lange es kaum genutzt wird. Das gilt für praktisch alles, was am Bürgersteig stattfindet – mit und ohne Strich am Boden. Sobald da wirklich viele Fahrräder auftauchen, funktioniert da gar nichts mehr.

Wobei der Fahrradweg am Bürgersteig neben den dabei nicht vermeidbaren Konflikten mit Fußgängern und Kinderwägen noch eine weit größere Gefahr an jeder Kreuzung mit sich bringen: da Radfahrende am Bürgersteig dem Gesichtsfeld der Autofahrer entzogen sind, was noch verschlimmert wird durch neben dem Bürgersteig abgestellte Fahrzeuge, rechnet kein Autofahrer beim Abbiegen in eine Seitenstraße damit, daß da nicht nur gemütliche Fußgänger zu erwarten sind, sondern auch wesentlich schnellere Fahrräder, die nicht von jetzt auf gleich stehen bleiben können.

Wer viel Fahrradverkehr erreichen will, muß auch was bei Stellplätzen querbeet vorsehen. So lange nur wenige am Weg sind, braucht es davon praktisch gar nichts: da findet sich überall ein Gartengitter, ein Laternenpfahl oder ein Verkehrszeichen, um ein Fahrrad anzuketten. Das läuft nicht mehr, wenn Hunderte fahren! Andersrum: wer soll der Politik abnehmen, daß ihr Ziel viel Fahrradverkehr ist, wenn es am Hauptbahnhof Luxemburg nicht einmal 100 Stellplätze gibt?

Ein massentauglicher Fahrrad-Abstellplatz gegenüber dem Innsbrucker Hauptbahnhof, den es vor zwei Jahren noch gar nicht gab. Und wo stellen wir sowas in Luxemburg hin?
Ein massentauglicher Fahrrad-Abstellplatz gegenüber dem Innsbrucker Hauptbahnhof, den es vor zwei Jahren noch gar nicht gab. Und wo stellen wir sowas in Luxemburg hin?

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