Im Grünen wohnen im Hochhaus

aus der ZEITUNG VUM LETZEBUERGER VOLLEK
von Jean-Marie Jacoby

Es geht wirklich:

Es mag für viele nicht vorstellbar sein, in einem Hochhaus mit 70 Stockwerken zu wohnen. Es müssen auch nicht unbedingt gleich so viele sein, damit ein Wohnen im Grünen möglich bleibt.

So stellt sich der brave Luxemburg abschreckendes Hochhaus-Wohnen vor. Aber das ist nur die Sicht von der großen Sammelstraße namens Schützenstraße aus. Das ganze Grün wie die Fuß- und Radwege dazwischen sind hier verborgen.
So stellt sich der brave Luxemburg abschreckendes Hochhaus-Wohnen vor. Aber das ist nur die Sicht von der großen Sammelstraße namens Schützenstraße aus. Das ganze Grün wie die Fuß- und Radwege dazwischen sind hier verborgen.

Sicher: früher war die Reihenhaussiedlung in nächster Nähe großer Industriebetriebe, ganz besonders bei der Stahlindustrie, aber auch in Wiltz oder Bonneweg, die Norm. Das galt eigentlich auch am Dorf, außer für Bauernhäuser mit Stall und Scheune, die einzeln standen. Dann kamen die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, und des Luxemburgers liebster Traum wurde der Bungalow mit 8 Meter Abstand zum nächsten – angeblich damit bei Bedarf schwere Baumaschinen noch durchkonnten hinters Haus. Mit dem Erdölschock und den steigenden Heizöl-Preisen wurde der Traum bereits teuer, bevor die Grundstückspreise anzogen.

Ein zwölfstöckiges Hochhaus mit gelber Fassade verschwindet regelrecht hinter den Bäumen: wer da aus dem Fenster blickt, sieht direkt auf sie, nicht auf das Nachbarhochhaus.
Ein zwölfstöckiges Hochhaus mit gelber Fassade verschwindet regelrecht hinter den Bäumen: wer da aus dem Fenster blickt, sieht direkt auf sie, nicht auf das Nachbarhochhaus.

Inzwischen ist der Mangel an Wohnungen im Land so groß und die Grundstückspreise so hoch, daß der Traum vom alleinstehenden Häuschen mit entsprechendem Bering drumherum für alle normale Lohnabhängige ausgetäumt ist weil unfinanzierbar. Auch das Reihenhaus wird für immer mehr Leute zu teuer – es geht also nur noch in Mehrfamilienhäusern, umso mehr viele Haushalte auch inzwischen zu klein für ein ganzes Haus sind. Es muß also anders gebaut werden.

Nicht nur Wege und Bäume gibt es da zwischen den Hochhäusern, sondern auch Wiesen und Spielplätze im geschützten Innenraum. Da ist gefahrloser Platz für Spaß und Spiel, selbst für Kleinkinder. Und das, obwohl die vielen Wohnhäuser nicht 70, sondern »nur« 11-19 Stockwerke hoch sind. Sie sind aber hoch genug, um Platz für Grün möglich zu machen!
Nicht nur Wege und Bäume gibt es da zwischen den Hochhäusern, sondern auch Wiesen und Spielplätze im geschützten Innenraum. Da ist gefahrloser Platz für Spaß und Spiel, selbst für Kleinkinder. Und das, obwohl die vielen Wohnhäuser nicht 70, sondern »nur« 11-19 Stockwerke hoch sind. Sie sind aber hoch genug, um Platz für Grün möglich zu machen!

Und es wird anders gebaut. Leider stehen wir dann vor erschreckenden Betonwüsten, wie in Schifflingen nördlich längs des Bahndamms, wovon wir gestern Bilder gebracht haben. Was da noch an Grün übrig bleibt sind kleinste Vorgärten und Mini-Parzellen im Erdgeschoß, kleinste Baumgefängnisse längs einiger Straßen und vor allem Wald am Hügel außerhalb der Ortschaft, der hoffentlich erhalten bleibt. Ach ja, und das Grün am Bahndamm, der aus Sicherheitsgründen unzugänglich ist.

Schönes Wohnen im Grünen sieht anders aus. Es ist aber nur zu kriegen, wenn höher gebaut wird: damit wird die Bodenversiegelung geringer und es bleibt Platz für Grün zwischen den Häusern. Daß das geht, zeigen unsere Bilder aus dem O-Dorf in Innsbruck, das für die zweite Winterolympiade 1976 vor immerhin 40 Jahren errichtet wurde. Der Vergleich sollte sicher machen!

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