Weiter als bis zur Nasenspitze denken:

aus der ZEITUNG VUM LETZEBUERGER VOLLEK
von Jean-Marie Jacoby

Welche Bauweise um welche Probleme zu lösen?

Es sollte allen klar sein, daß im Lande Luxemburg an die 40.000 Wohnungen fehlen. Es sollte auch klar sein, daß es uns mit der herkömmlichen Bauweise nicht gelingt, diesen Rückstand aufzuholen, da die Zahl der Einwohner im Land jährlich um über 13.000 zunimmt : die Zahl der jährlich gebauten Wohnungen ist sogar dafür nicht groß genug! In den letzten Jahren wurde der Fehlbedarf daher Jahr um Jahr größer – und die Preise für Kauf wie fürs Mieten stiegen so auch unabläßlich.

Es ist klar, daß jene, die von der Wohnungsnot profitieren, weil genau das erlaubt höhere Verkaufs- und Mietpreise durchzusetzen bei gleichzeitiger Möglichkeit jedes noch so windige Loch zu vermieten, kein Interesse daran haben, daß irgendwann Schluß ist mit der Wohnungsnot. Leider sind unter diesen Profiteuren Minister, Abgeordnete, Bürgermeister, Schöffen, Gemeinderäte und politisch Aktive aller Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei zu finden. Exakt das ist der Grund, warum das Problem auf hohem Niveau vor sich hin köchelt.

Lösung nur gegen mächtige Interessen

Um das Problem schnell lösen zu können, müssen mit einem Schlag viele zusätzliche Wohnungen, davon eine Vielzahl Miet- und Sozialwohnungen fertig werden. Das ist nur machbar, wenn einerseits die öffentliche Hand selbst Projekte durchführt, und anderseits höher gebaut wird.

Auch dabei ist zu fragen, welche Wohnqualität das Ziel sein soll. Wir haben bei wirklichen Hochhäusern auf die Möglichkeit hingewiesen, in ihnen für die dort entstehende kleine Dorfgemeinschaft nicht nur Keller- und Räume zum Wäsche aufhängen vorzusehen, sondern ebenfalls Bastel- und Versammlungsräume im Haus.

Das ist wohl nur finanzierbar, wenn wirklich hoch gebaut wird. Das von uns vorgestellte Wohnen im Grünen in Innsbrucker Hochhäusern zwischen 11 und 19 Stockwerken bietet diese Räume noch nicht, auch nicht die bereits für die ersten Winterspiele 1964 errichteten Sternhochhäuser mit 16 Stockwerken. Aber sie bieten immerhin jenes Grün in direkter Umgebung, das keine verdichtete Bauweise, wie sie jetzt stellenweise (unser Beispiel war aus Schifflingen) entsteht: denn das sind Betonwüsten mit allenfalls Rest-Grün, das nicht wirklich nutzbar ist.

Jede Menge grüne Wiesen mit Hecken und hohen Bäumen gehören zu jedem Hochhaus, dazwischen ferab des Straßenlärms für Fußgänger wie Radfahrer Verbindungswege: das ist wahre Lebensqualität!
Jede Menge grüne Wiesen mit Hecken und hohen Bäumen gehören zu jedem Hochhaus, dazwischen ferab des Straßenlärms für Fußgänger wie Radfahrer Verbindungswege: das ist wahre Lebensqualität!

Es müßte also in etwa doppelt so hoch gebaut werden, um nicht nur in direkter grüner Umgebung wohnen und leben zu können, aber auch eine Gemeinschaft im Haus durch Bereitstellen entsprechender Bastel-, Hobby- und Versammlungsräume entstehen zu lassen. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, würde das ein riesiges Plus abgeben.

Da das aber den direkten Interessen allzu vieler in allen Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei widerspricht – und diesen Interessen ist zudem wesentlich besser gedient durch Vereinzelung und Anonymisierung –, wird es zur Durchsetzung nötig sein, Druck von unten aufzubauen.

Der sechsstöckige Bau im Vordergrund rechts ist, was die Höhe anlangt, fast schon eine Ausnahme bei Neubauten in Innsbruck. Er wurde kürzklich für Jugendfestspiele errichtet. Die farbigen Hochhäuser stehen auf dem vormaligen Reichenauer Campingplatz, die grauen dahinter stammen aus 1964. Und an der Inn- und Sillpromenade (in der Bildmitte ist die Mündung der Sill) gibt es eine regelrechte Perlenkette von Kinderspielplätzen, wie sie Luxemburg nicht kennt: auf jedem andere Spielgeräte!
Der sechsstöckige Bau im Vordergrund rechts ist, was die Höhe anlangt, fast schon eine Ausnahme bei Neubauten in Innsbruck. Er wurde kürzklich für Jugendfestspiele errichtet. Die farbigen Hochhäuser stehen auf dem vormaligen Reichenauer Campingplatz, die grauen dahinter stammen aus 1964. Und an der Inn- und Sillpromenade (in der Bildmitte ist die Mündung der Sill) gibt es eine regelrechte Perlenkette von Kinderspielplätzen, wie sie Luxemburg nicht kennt: auf jedem andere Spielgeräte!

Vergessen wir nicht, daß Veränderungen im real exisiterenden Kapitalismus immer nur durch Druck von unten möglich sind, wenn es sich um Verbesserungen der Lebensbedingungen des schaffenden Volks handelt. Denn die Profiteure des Systems haben kein Interesse an Veränderungen. Schlielich läuft für sie alles bestens mit der Umverteilungsmaschine von unten nach oben auf ihre eigentlich bereits übervollen Konten. Aber Gier kennt bekanntlich keine Grenzen. Nur die Angst vor Totalverlust kann ihr Grenzen setzen!

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