Es wird immer toller

aus der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollék
von Jean-Marie Jacoby

Beim Pressefrühstück von Mittwoch am Knuedler wurde gar viel Nebensächliches geboten, über das sich der Schöffenrat riesig freut, doch Wichtiges gab’s nur nebenbei.

Zuletzt ist bekanntlich in Selbstmordabsicht jemand vom Viaduc auf die Skaterpiste runtergesprungen – das war kein schöner Anblick. Zur Vermeidung von Wiederholungen stellte die Stadt Baugitter auf wie zum Nationalfeiertag beim Feuerwerk. Wir fragten nach, wie das weitergeht – schön ist das ja nicht – oder ob das heißen soll, die Leutchen möchten springen wo sie wollen, nur gerade dort nicht.

Viaduc wird breiter

Bürgermeisterin Polfer erklärte zuerst, die Stadt kommuniziere darüber nicht mehr, um keinem Ideen zu geben, aber es komme immer öfter vor und es sei gar nicht schön, was unsere Feuerwehrleute da zu sehen kriegen. Dann erfuhren wir, daß da wie auf der Roten Brücke beidseitig Lamellen geplant sind, allerdings erst nachdem der Viaduc verbreitert wurde, es sei denn das ließe sich vorziehen. Die Stadt habe dem Staat das auch bereits genehmigt, aber es werde erst gebaut, wenn der unter der Neuen Brücke hängende Radweg fertig ist.

War da was? Lydie Polfer führte der fragend dreinschauenden Runde aus, wenn die Tram fahre, werde der heutige Fahrradweg als Busspur gebraucht. Daher werde ein Fahrradweg außen an die Alte Brücke drangehängt. Da aber unbedingt ein Fahrradweg zwischen Bahnhof und Oberstadt sein müsse, werde eben gewartet, bis der andere fertig sei. Und wenn alles fertig sei, gäbe es dann zwei.

Das ist schön, doch diese Trankosten stehen schon wieder nicht im Tram-Gesetz. Sie werden im Straßenbau-Budget vergraben, und weil es wohl keine 40 Mio. sind, ist nicht einmal über die Chamber was zu erfahren. Operation streng geheim ist jetzt aber doch geplatzt!

Ob darüber mehr verraten wird am Informationsabend am 5.10, ab 18.30 Uhr im Großen Theater zu den »ganz gut koordinierten Baustellen« in der Stadt? War aber sicher nicht geplant, da das ja nicht im nächsten Jahr starten soll.

Koordiniertes Chaos

Dafür hat die Banque Générale am Aldringer mit Abreißen begonnen – das ginge laut Bürgermeisterin gar nicht mehr, wenn die Tram fährt. Der erste Stein für des Scheichs Royal Hamilius wird nächste Woche gelegt. Ob ein Pfarrer oder ein Mufti vor verschleierter Bürgermeisterin amtiert? Bis zumSommer 2019 wird jedenfalls gebaut. Am Krautmarkt wird bis Sommer 2017 gebuddelt, und am Glacis gibt’s nicht nur die Tram-Baustelle sondern wegen dieses Trams auch eine Umlegung der Fouer-Infrastrukturen, weswegen bis zur nächsten Fouer ständig rund 200 Parkplätze nicht verfügbar sind. Auch das fehlt im Tram-Finanzierungsgesetz.

Die 310 Parkplätze am Parkplatz in der Rue Henri Dunant kosten ab 3.10. 50 Cent die Stunde, die 160 Parkplätze am P&R Beggen in der Rue du Pont bleiben einstweilen (noch?) gratis.

Offene Türen

Der Konviktsgaart öffnet seine Altersheimtüren am 24.9. ab 8.30 Uhr. Am 25.9. tut das von 14-17 Uhr der Gemeinschaftsgarten am Kaltreis in Bonneweg. Am 15.10. sind die Türen im Bierger-Center und im Stadthaus am Knuedler bis ins Bürgermeisterinnenbüro von 10-16 Uhr und bei der Parkdiensstelle von 10-17 Uhr geöffnet. Beim »Service du patrimoine naturel« gibt es am 22.10. von 10-18 Uhr offene Türen.

Wem das noch immer nicht genug Zerstreuung ist, der komme am 1.10. von 10-17 Uhr zum vom CAPEL organisierten Familienspieltag ins Cercle Cité und auf die Place d’Armes. Halleluja!

Wer zu Hause?

Viele Fragen warf eine Trierer Pressemitteilung auf, da Lydie Polfer Stein und Bein schwört, am 19.9. nicht in Trier gewesen zu sein. Welches Double sie dort vertrat, war auf die Schnelle nicht zu klären, denn da heißt es (nachzulesen auf www.trier.de) hochoffiziell unter dem Titel »QuattroPole-Netzwerk tauscht sich aus«:

»(gut) Zur Vorstandssitzung des Städtenetzwerks QuattroPole traf sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen aus Metz, Saarbrücken und Luxemburg im Rheinischen Landesmuseum. Nach einer Führung durch die Nero-Ausstellung diskutierten die vier Stadtoberhäupter die derzeit wichtigsten Themen ihrer Zusammenarbeit innerhalb des Städtenetzes. Dazu zählt derzeit vor allem die Mobilität. Gemeinsam möchten sich die vier Verwaltungschefs für eine bessere Anbindung ihrer Städte an das Schienenfernverkehrsnetz einsetzen und die Herausforderungen des steigenden Pendlerverkehrs in der QuattroPole-Großregion bewältigen. Zudem wird derzeit ein strategisches Leitbild für den Verein QuattroPole entwickelt, um zentrale Themen der künftigen Kooperation festzulegen und neu zu strukturieren.«

Das sagt zwar nicht wirklich etwas aus, weswegen es von Interesse wäre, da Näheres zu erfahren. Das wäre was anderes als die verschiedenen Nichtigkeiten, die den Schöffenrat so freuen. Außer da ist in Wirklichkeit außer Worthülsen gar nichts dran – was ja nicht auszuschließen ist, müßte Herr Leibe doch wissen, daß er am 19.9. nicht mit Frau Polfer durch die Nero-Ausstellung lief.

Aber auch so läuft vieles schief in Luxemburg, so bei den Bussen, die zu den Sekundarschulen fahren. Vom Bus 73 (von Cents über Pulvermühle zum Geeseknäppchen) werden Verspätungen am Morgen von über einer Viertelstunde berichtet, die dazu führen, daß die Passagiere zu spät zum Unterricht erscheinen. Und die Rückfahrt von dort treten der 73 wie der 74 fünf Minuten vor der fahrplanmäßigen Abfahrt an – wer zurückbleibt, ist wohl selber schuld. Oder?