Social head banging in der KuFa

von Patrick Kleeblatt

Das „Anger Fest“ lockte
zahlreiche Fans des „Trash Metal“ an

Es war ein „geiles“ Festival welches die Jungs von „Scarlet Anger“ am vergangenen Samstag zu organisieren verstanden. Metal vom feinsten ohne auf die kommerziell großen Namen zurückzugreifen, sondern den Akkzent auf pure Qualität zu legen. Rauh aber herzlich haben sechs Bands den alten Schlachthof in der Luxemburger Straße „gerockt“.

Anger Fest 2016  © Indymedia Letzebuerg
Anger Fest 2016 © Indymedia Letzebuerg

Mit schon anmutender Symbolkraft, immerhin war Esch s/Alzette auch mal eine florierende Stahlmetropole, zeigt sich dass „Metal“ die wohl härteste form des Rock’n Roll immer noch sein Publikum findet und mit dem „Anger Fest“ wurde dieser Fakt fett unterstrichen. Die Fans boten zudem ein ausdrucksstarkes Bild: Von langen Haaren zu langen Bärten, stets ein freundlich-grimmiger Blick und eine ausgelassene, weil friedvolle, Stimmung prägen eine „community“ die nicht abseits der Gesellschaft sondern mitten drin steht.

Joe Block, Sänger von der seit 2007 bestehenden luxemburgischen Metal-Band „Scarlet Anger“ durfte denn auch mehr als zufrieden sein. „Neben der Musik die unser Leben begleitet, ist uns auch die soziale Verantwortung wichtig. Ein „charity concert“ für die „Stëmm vun der Strooss“ somit unsere Art der Ausgrenzung und Wiederingliederung ein Gesicht zu geben.“ Er hätte sich sicher über Mehr Besucher gefreut und ist dennoch für die erste Veranstaltung vom Resultat beflügelt dieses Projekt weiterzuführen.

Anger Fest featured "Scarlet Anger" © Indymedia Letzebuerg
Anger Fest featured “Scarlet Anger” © Indymedia Letzebuerg

Dem kann nicht wirklich viel hizugefügt werden, zumal wie bereits angsprochen, die Stimmung einfach bis zur letzten Note auffallend ausgelassen war. Auch von den eingeladenen Bands gab’s nur positivers Feedback. Dies verdanken die Jungs von „Scarlet Anger“ auch dem ganzen Team der Kulturfabrik, die das Festival dank der zur Verfüngstellung von Konzertsaal und Logen, aber auch Ton und Lichttechnik erst möglich gemacht haben.

Anger Fest featured "Scarlet Anger" © Indymedia Letzebuerg
Anger Fest featured “Scarlet Anger” © Indymedia Letzebuerg

Auch der Auftritt von „Scarlet Anger“ darf und muss man sicherlich als „furios“ bezeichnen. Die hammerharte und knochentrockene Vortragsweise ließ den Konzertsaal beben. Ein Besucher sah es so: „Die müssen nicht überzeugen, die sollen einfach nur spielen. Ein Abend der jeden Cent wert ist und so ein geiles Line-up ist fast der schönste Herbstanfang den ein Metaler sich wünschen kann.“ Bleibt in Sachen „Scarlet Anger“ noch zu erwähnen dass Sie sich jetzt auf einen neues Album konzentrieren wollen. 2017 wird also ein arbeits- und probereiches Jahr werden.

Headliner aus Bayern überzeugt Fangemeinde

„Dust Bolt“ ist mit Abstand eine der geilsten aufkommenden Trash-Metal Bands unserer Zeit. Als Schülerband unter dem Namen „Die Letzten“ 2006 gegründet sieht die Zukunft der Jungs aus Landsberg am Lech rosig aus. Gewinner des „Metal Battle“ beim Wacken Open Air 2011 und mit bereits drei wirklich empfehlungswerten Alben, ist „Dust Bold“ unserer bescheidenen Ansicht nach ein „Must“ für die Fans dieser Musikrichtung.

Den Puristen sei angesagt dass der Old-School-Trash-Metal von “Dust Bolt“ sich bestens vom klassischem Bay-Area Thrash Metal hat beeinflussen lassen. Ein Resultat das sich hören lässt. Die Festivalbesucher waren jedenfalls sichtlich überzeugt und wollten mehr als der Zeitrahmen eines Festivals zulässt.

Anger Fest featured "Dust Bold" © Indymedia Letzebuerg
Anger Fest featured “Dust Bolt” © Indymedia Letzebuerg

Bezüglich Festivals sollte dann auch erwähnt werden dass „Dust Bolt“ sich 2016 auf dem „Hellfest“ den „Rocades“ und selbstverständlich dem „Rockavaria“ herumgetrieben haben und dort ihre Fangemeinde erweitern konnten. Die vier Jungs, die mit ihrem Zwischenstopp in Luxemburg ihre „Mass Confusion“ Tour bereits am 29 september in Frankfurt fortsetzen werden, hatten bereits das Vergnügen mit „Scarlet Anger“ zu spielen.

„Wir waren noch nie in Luxemburg und haben uns sehr über die Anfrage unserer Freunde gefreut. Der Spielort ist einfach passend, alle sehr zuvorkommend und das Publikum hat uns bestens aufgenommen.“ sagten uns Lenny, Flo, Ben und Nico während des Interviews. Der „gute Zweck“ des Festivals heiligt zudem die Mittel. „Wir sind engagierte Menschen und tragen gerne unseren Part bei. Das Anger Fest ist ein seröses Projekt das unserevolle Unterstützung verdient hat.“

Bands aus Luxemburg und der Großregion runden das Angbot ab

Nebst den zwei bereits erwähnten Bands waren auch „Heaven’s Scum“ „Fusion Bomb“ und „Desdemonia“ aus Luxemburg mit am Start. Diese haben das Festival eröffnet und dem Publikum die Richtung vorgegeben. Streng nach dem Motto: „Gimme a beer, bang your head and shut the FUCK up!“ haben diese zwei Bands visuel und musikalisch Akkztente gesetzt.

Anger Fest featured "Fusion Bomb" © Indymedia Letzebuerg
Anger Fest featured “Fusion Bomb” © Indymedia Letzebuerg

Miguel „Texasranger“ von „Fusion Bomb“ sagte uns: „Wir finden die Idee des „charity“ gut und sind gerne Teil des Projekts. Zudem erlaubt uns dieses Festival unsere Passion mit gleichgesinnten zu teilen. Sinnvolle Events zu begleiten ist ohnehin teil der Bandkultur“. Und somit wäre erneut erwiesen dass Trash-Metal keine Abart sondern ein fester Bestandteil der heutigen Gesellschaft ist. Für all jene die diese Band noch nicht kennen hier ein kleiner Plattentipp: Das Album „PRAVDA“ von Fusion Bomb“ ist rauh und politisch geprägt. Es dürfte sicher etwas mehr Variationen beim Gesang geben und dennoch bleibt dieses Album ein vielversprechendes Statement des „trash revival mouvement“

Mit „Desdemonia“ gab es auch etwas aus der Sparte „Death Metal“. Die seit mitte der neunziger Jahre sehr präsente Band ist schon fast so etwas wie ein Urgestein der luxemburger Metalszene. Überzeugend und sichtlich zeitgemäss hat „Desdemonia“ das Festivalpublikum erfreut.

Anger Fest featured "Deficiency" © Indymedia Letzebuerg
Anger Fest featured “Deficiency” © Indymedia Letzebuerg

Aus Lothringen war „Deficiency“ angereist und das mindeste ist die Feststellung dass auch Franzosen gehörig Stimmung verbreiten können. Diese Band wurde 2009 gegründet, hat dieses Jahr auf kleinen Festivals wie „Motoculteur“ und „Machine Head“ eine stetig wachsende Fangemeinde überzeugen können. In der KuFa hat „Deficiency“ somit nicht nur uns überzeugt und ihr Album „The Prodigal Child“ fand so guten Absatz, dass in Sachen „Performance“ kaum etwas hinzuzufügen bleibt.

„Pizzaguy“ die Futterkrippe auf Rädern

Während die KuFa sich dem „Durst“ der Metaler angenommen hatte, stand vor dem Saaleingang die rollende Futterkrippe von Guy Reding. Naja, nach dem Durst kommt bekanntlich der Hunger und die Pizzen vom „Pizzaguy“ können letzteren bestens stillen. Der Jungunternehmer mit dem „komm ich drück dich mal“ Aussehen weiss allerdings auch genau was er einer selbsbewussten „Community“ anbietet.

In der tat sind seine Pizzen nicht nur lecker und bezahlbar, nein alle seine Produkte (mit ausnahme von Ananas und Paprika) sind „regional“. Das Fleisch und der Käse, natürlich auch die Grundlagen Teig und Tomate, alles ist aus lokaler Herstellung. Hierauf legt er großen Wert. „Es wäre blöd an der falschen Stelle zu sparen“ sagt Guy „ich brauche verlässliche Ware denn meine Kunden sind bewusste Konsumenten“. Tja, wo er recht hat, hat er recht und wir erlauben uns den Rat, wer sein Foodtruck sieht, sollte ihn auch aufsuchen.