Motor der Stadtteilerneuerung

aus der Rathauszeitung Trier

Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg in Trier-Nord feiert 25. Geburtstag

Als „Vorbild für andere Wohnungsgenossenschaften, aber auch für die städtische Wohnungsbaupolitik“ würdigte Bürgermeisterin Angelika Birk die Genossenschaft Am Beutelweg (Wogebe), die ihren 25. Geburtstag mit den Bewohnern des Quartiers feierte. Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigte als Schirmherrin des Festakts die Wogebe als vorbildlichen Pionier für neue Wohnformen und soziale Integration. Die Wirkung reiche weit über den Stadtteil hinaus.

Ein besonders augenfälliges Beispiel für die Arbeit der Wogebe im letzten Vierteljahrhundert in Trier-Nord bietet das Grundstück Ambrosiusstraße/Ecke Beutelweg. Im Jahr 2000 wurde der marode Wohnblock abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der vier Jahre später bezogen werden konnte. (Archivfoto: Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg)
Ein besonders augenfälliges Beispiel für die Arbeit der Wogebe im letzten Vierteljahrhundert in Trier-Nord bietet das Grundstück Ambrosiusstraße/Ecke Beutelweg. Im Jahr 2000 wurde der marode Wohnblock abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der vier Jahre später bezogen werden konnte. (Archivfoto: Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg)

Die Ministerpräsidentin erinnerte in ihrer Rede an die „teilweise menschenunwürdigen Zustände“, die vor einem Vierteljahrhundert in dem Viertel geherrscht hätten. Seitdem sei es der Wogebe gelungen, mit ihren mittlerweile 510 Wohnungen und durch millionenschwere Investitionen die Lebensbedingungen deutlich zu verbessern und die dort lebenden Menschen in diesem Prozess mitzunehmen. „1991 gab es noch nicht die passgenauen Finanzierungskonzepte wie heute“, erinnerte sich Dreyer.

Die Genossenschaft habe sich davon aber nicht entmutigen lassen und könne mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken. Die Wogebe habe nicht nur den Stadtteil entscheidend aufgewertet, sondern Impulse weit darüber hinaus gesetzt. Bürgermeisterin Birk charakterisierte bei der Feier in der Arena, an der auch OB Wolfram Leibe, Ortsvorsteher Christian Bösen und mehrere Stadtratsmitglieder teilnahmen die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Akteure in der Wogebe als „solide und bewohnerorientiert“. Diese habe einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass es mittlerweile auch einige neue Bewohner in dem Viertel gebe, das früher einen ziemlich schlechten Ruf hatte. „Das zu erreichen, ist noch viel schwieriger als einen Wohnungsneubau zu errichten“, betonte Birk und hob die hohe architektonische Qualität der Sanierungs- und Neubauprojekte hervor.

Die enge Vernetzung der Genossenschaft im Stadtteil und die unzähligen Impulse für Trier-Nord lobte Markus Nöhl als Vorsitzender des Bürgerhaus-Trägervereins. Zudem sei es immer wieder gelungen, Stadtteilbewohner unter dem Stichwort „Muskelhypothek“ zum Anpacken zu animieren und die Kultur der Selbsthilfe ein großes Stück voranzubringen. „Die Wogebe war außerdem im Arbeitskreis Trier-Nord ein wichtiger Motor zur Entwicklung neuer Wohnformen, zum Beispiel für Studenten und ältere Menschen“, betonte Nöhl. Zu Beginn des Festakts unter dem Motto „Engagiert für Trier-Nord“ zitierte Wogebe-Geschäftsführer Herbert Schacherer einen Werbespruch: „Ideen allein verändern nichts, sondern nur der Mut, sie umzusetzen.“ Ganz in diesem Sinne hätten die Gründer der Genossenschaft und ihre Nachfolger immer wieder gehandelt. „Dabei wurden sie vom Land und der Stadt von Beginn an tatkräftig unterstützt“, so Schacherer.

Diese Zusammenarbeit habe sich gerade in der existenzbedrohenden Krise im Jahr 2007 bewährt. Schacherer dankte der Stadtverwaltung, dem Stadtrat und der Sparkasse als langjähriger Bankpartner für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung. Zwar habe sich die wirtschaftliche Situation der Wogebe deutlich gebessert, die relativ knappe Eigenkapitalbasis sei aber immer noch ein Problem. Daher habe die Genossenschaft ihre Satzung geändert und nehme jetzt auch investierende Mitglieder auf, um auch in Zukunft bezahlbaren Wohnraum vermieten zu können.

Wohnen in guter Nachbarschaft“ ist das Motto des zuletzt realisierten Projekts der Genossenschaft: Letzten  Dezember wurden 21 barrierefreie Wohnungen in der Thyrsusstraße 22/24 nach 15-monatiger Bauzeit bezogen. Zudem wurde ein Projekt zum „Jungen Wohnen“ in einem sanierten Gebäudekomplex in der Thyrsusstraße 27 bis 31 abgeschlossen. Bereits 2001 betraute die Stadt Trier die Genossenschaft mit der Trägerschaft des Quartiersmanagements im Rahmen des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt.

Geschäftsführer Schacherer wies in seiner Festrede darauf hin, dass die Wogebe bei einer bundesweiten Studie als „Best Practice“-Beispiel für kommunale Wohnungsgenossenschaften ausgezeichnet wurde. Einen Überblick zu bundesweiteten Trends auf diesem Sektor gab Reinhard Thies aus Gießen, Gründungsvorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit.

Den Übergang von den Grußworten und dem Fachvortrag zum Unterhaltungsprogramm mit dem Konzert der „Leiendecker Bloas“ schuf der Auftritt einer neuen Pantomime- Gruppe aus dem Stadtteil, die die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre, aber auch alltägliche Konflikte mit viel Humor und Sinn für Zwischentöne in Szene setzte.